Der kleine Ort Vinales liegt mit rund 28.000 Einwohner im Westen von Kuba. Die Region ist bekannt für ihre atemberaubende Landschaft, mit den dort typischen Tabakfeldern und den ca. 300 bis 400 m hohen Kalksteinfelsen , die als „mogotes“ bezeichnet werden. Wir wohnten bei einer sehr netten Familie. Der Hausherr hieß Papo und er versuchte uns in einfachem Spanisch die Besonderheiten der Umgebung näher zu bringen. Das gelang ihm einmal mehr und manchmal weniger ;). Am ersten Tag unternahmen wir gemeinsam eine Wanderung, die über einen ausgetrockneten Wasserfall führte, steil hinauf bis zu einem alten Bauernhof der einen wunderschönen Blick über das Vinales Tal bot. Papo erzählte uns einiges über die Vegetation und die Tierwelt, denn es gibt Pflanzen die nur hier wachsen, beispielsweise die Barrigona-Palme, die wegen ihrer bauchigen Ausformung am Stamm auch „schwangere Palme“ genannt wird, sowie die Nationalpalme „Palma Real“ die im ganzen Land zu finden ist. Wir hörten unter anderem den „Tocodoro“, den kubanischen Nationalvogel sowie den „Sinsante“ den er zum Spaß auch Pavarotti nannte, da er in verschiedenen Tönen wunderschön singen kann. Außerdem schwirrten viele Schmetterlinge und Libellen in der Luft sowie einige rotköpfige Geier die Kreise über unseren Köpfen zogen. Überall am Weg standen „bohios“, Schuppen mit Palmwedeldächern, in denen Tabakblätter getrocknet werden. Der Norden von Vinales wird vom Tabakanbau dominiert, denn die Tabakpflanze liebt das feuchtheiße Klima und den fruchtbaren roten bis rotschwarzen Boden dieser Gegenden. Wir besuchten im Anschluss unserer Wanderung eine Tabakfarm, bei der wir auch einmal eine Zigarre ausprobierten. Der Bauer erklärte uns einiges über den Anbau der Pflanze und wie daraus anschließend Zigarren hergestellt werden. Der Großteil der Ernte gehört jedoch dem Staat, also reich werden die Bauern davon bestimmt nicht!
Am nächsten Tag führte uns Papo über einen der berühmten „mogotes“ und danach wieder hinab ins Tal, wo sich der Weg durch die Felder schlängelte – es war sehr idyllisch. Aus nächster Nähe sahen wir Ochsengespanne, Pferde, Kühe, Schweine und Hühner die scheinbar hier ein schönes Leben haben. Mehrfach versicherte uns Papo das hier alles biologisch sei und die Felder nur mit der Hand bestellt werden, um die fruchtbare Erde nicht zu zerstören.
Abends fuhren wir mit unserem Mietauto zum „Mural de la Prehistoria“. In bunten Farben erzählt die Malerei von Leovigildo González Morillo, einem Schüler des mexikanischen Muralisten Diego Rivera, auf einer riesigen Felswand die Geschichte der Evolution – angefangen von der Amöbe über die Dinosaurier bis zum Homo sapiens. Das Bild mit seinen 120 Metern Höhe und 180 Metern Breite wirkte sehr beeindruckend.
An unserem letzten Tag in Vinales unternahmen wir eine Tour in die größte Höhle Kubas, der „Cueva Santo Tómas“. Sie ist etwa 46 km lang und mit ihren sieben Etagen mindestens 65 m hoch. Das Gestein besteht aus Kalk, Eisen und Mineralien. Die Höhle ist voller Stalaktiten und Stalagmiten und wer hätte das gedacht, auch noch bis in den letzten Winkel voller Leben. Wir sahen Fledermäuse, Spinnen, Frösche, aber es gibt auch Skorpione und natürlich eine Menge Insekten. In der Höhle war es nicht wie erwartet kühler, sondern schwül bei ca. 25 °C. Der Weg in den Berg hatte einige Tücken parat und wir mussten ziemlich auf unsere Schritte achten, denn der Boden war teilweise rutschig und steil. Am Nachmittag fuhren wir auf holprigen Straßen entlang der Küste zur Insel „Cayo Jutias“, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Diese schöne kleine Insel gehört zum Los-Colorados-Archipel und liegt ca. 60 km westlich von Vinales. Ein sehr schöner Abschluss bevor es am nächsten Tag weiter nach Soroa und Las Terrazas ging.
